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Erreichbarkeit: Auch in der Nacht erreichbar bleiben

Ob günstig oder smart - die Möglichkeiten sind riesig. 

Wenn der Pflegebedürftige das Bett in der Nacht nicht alleine verlassen kann oder darf sollte er eine Möglichkeit haben, sich im Falle eines Hilfebedarfs melden zu können. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Möglichkeiten vor. 
Die günstige Variante: Die Klingel 

Das Prinzip ist einfach und kann als bekannt vorausgesetzt werden. Die Klingel wird in der Nähe des Bettes montiert, sodass er gut erreichbar ist. Der Empfänger gibt ein akustisches Signal  ab, sobald der Klingelknopf gedrückt wird. Er sollte also dort angebracht werden, wo er auch gehört werden kann. 

Vorteile
  • Neue Systeme funktionieren drahtlos, sodass sowohl Sender als auch Empfänger immer wieder neu positioniert werden können. 
  • Die Handhabung ist sehr einfach und bekannt. Wer motorisch in der Lage ist einen Knopf zu drücken, kommt mit dem System auch zurecht. 
  • Günstig: Die Systeme sind schon ab etwa 15 Euro zu haben
  • Reichweite vergleichsweise hoch (mehrere 100 Meter)
  • Privatsphäre bleibt gewahrt
  • Lange Akkulaufzeit
Nachteile: 
  • Akkubetriebener Sender: Das System funktioniert natürlich nur, wenn die Batterie voll ist. Während der Empfänger in einer Steckdose steckt und immer Strom erhält, muss die Batterie des Senders regelmäßig getauscht werden. 
  • Sehr unpräzise: Wenn die Klingel ertönt wissen Sie, dass etwas getan werden muss. Worum es geht wissen Sie erst, wenn sie aufstehen, um nach dem Rechten zu sehen. Dies kann auf Dauer zu einer unnötigen Belastung für Sie werden. 
  • Pflegebedürftiger muss geistig in der Lage sein, den Knopf bei Hilfebedarf zu drücken
Wir haben Ihnen einige Beispielgeräte herausgesucht, die ihren Zweck gut erfüllen sollten. Sie sehen diese am rechten Bildschirmrand. 
Babyphone: Unpassender Name für einen guten Zweck

Ein Senior ist kein Kleinkind und sollte nicht wie eines behandelt werden. Der Begriff "Babyphone" ist daher sicher nicht passend, aber Alternativen fehlen. Sogenannte "Seniorphone", die hin und wieder Angeboten werden, sind in der Regel ebenfalls einfache Babyphone. Da der Begriff aber auch für die Telefone mit großen Tasten und lauterem Klingen verwendet wird, hat der Handel meist nur Babyphone im Angebot. Günstige Geräte gibt es schon ab etwa 30 Euro. Geräte mit höherem Funktionsumfang (z.B. Kamera) kosten hingegen bis zu 150 Euro. 

Vorteile: 
  • Kann auch von Menschen bedient werden, die motorisch nicht in der Lage sind einen Knopf zu drücken
  • Der Empfänger weiß, worum es geht wenn der Pflegebedürftige sich meldet. 
  • Empfehlenswerte Geräte haben auch Gegensprechfunktion, sodass man für Fragen, etc. nicht unbedingt selbst aufstehen muss. 
  • Hilft auch Pflegebedürftigen, die nicht aktiv nach Hilfe fragen können, sondern vielleicht nur durch ein stöhnen oder Ähnliches auf sich aufmerksam machen. 
Nachteile:
  • Ständiges Senden schränkt Privatsphäre ein. 
  • Reichweite vergleichsweise gering. Nur sinnvoll, wenn man im gleichen Haushalt lebt.
  • Gefahr des "sich-überwacht-fühlens" vorhanden. 
  • Kürzere Akkulaufzeit.
Smarte Variante: Alexa & Co. 

"Alexa, mach die Musik an!" für Befehle wie diese nutzen immer mehr Menschen die Smarthome Geräte der Online-Giganten. Aber sie lassen sich auch für andere Zwecke umfunktionieren. Wer sich ein wenig mit der Technik auskennt und ohnehin Smartphone-Nutzer ist, kann sich mit diesen Geräten sehr viel Arbeit erleichtern. 

So könnte man Alexa mit einem Befehl dazu bringen, Sie anzurufen. Damit würde die persönliche Privatsphäre gewahrt bleiben, da man nicht einfach "lauschen" könnte. Allerdings muss eine deutliche Aussprache vorhanden sein, damit das Gerät auch reagiert. Ein wenig technisches Verständnis von Seiten des Pflegebedürftigen ist ebenfalls vorauszusetzen und daher vielleicht eher bei Jüngeren eine Option. 

Vorteile: 
  • Großer Funktionsumfang: Bedienung von Licht, Musik oder sogar Heizung über die Sprachsteuerung. So kann der Pflegebedürftige eine hohe Autonomie erhalten. 
  • unbegrenzte Reichweite: Da die Geräte über das Internet kommunizieren wären Sie auch erreichbar, wenn Sie gerade nicht vor Ort sind. 
  • Sprachbedienung, daher auch für motorisch Eingeschränkte eine Lösung.
  • Unauffällig: Die Geräte sehen aus wie ein Wecker oder ein Lautsprecher
Nachteile: 
  • Datenschutzbedenken: Was beispielsweise Amazon mit den gesammelten Daten anfängt ist unklar. Die Vorstellung, dass die Daten über Server im Ausland laufen ist für Menschen mit hohem Sicherheitsbewusstsein eine Zumutung
  • Fehlbedienung: Mit Sprachbefehlen kann Alexa auch Dinge bestellen oder Leute anrufen. Wenn der Pflegebedürftige nicht in der Lage ist, die Funktionen zu beherrschen könnte das zu unangenehmen Situationen führen. Für geistig eingescheschränkte Pflegebedürftige daher keine Option. 
  • Teuer: Die Geräte benötigen ein funktionierendes WLAN und Sie mindestens ein Smartphone um Ihren Zweck zu erfüllen. Da dies bei vielen Älteren nicht vorhanden ist, muss vorher noch etwas investiert werden - da sind andere Optionen günstiger. 

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26. Juli 2020
Kennen Sie Agnes Karll? Oder vielleicht Florence Nightingale? Nie gehört? Die beiden gelten als Vorreiterinnen in der Entwicklung professioneller Pflege. Nightingale wäre in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden. Ein bekanntes Zitat von ihr lautet: "Pflege ist keine Ferienarbeit. Sie ist eine Kunst und fordert, wenn sie Kunst werden soll, eine ebenso große Hingabe, eine ebenso große Vorbereitung wie das Werk eines Malers oder Bildhauers." Aber wer sind eigentlich diese "Künstler", von denen wir sprechen, wenn es um Pflege geht? Wer sind die "Alltagshelden", von denen seit der Corona-Pandemie gesprochen wird? Wenn man darüber nachdenkt, sind mit diesen Begriffen medial kaum Einzelpersonen verknüpft. Während Sie vermutlich weder Agnes Karll noch Florence Nightingale kannten, ist Ihnen der Name Nils Högel, dem "Todespfleger" der in Oldenburg und Delmenhorst sein Unwesen trieb schon eher bekannt. Und das ist ein Problem - für Millionen engagierte Pflegekräfte, über die nur als anonyme Masse gesprochen wird. Von Pflegenden wird viel zu oft nur in negativem Kontext berichtet. Wenige Einzelfälle überschatten die riesige Mehrheit von normalen Menschen in einem alles andere als normalen Beruf. Alternativ wird in seichten Unterhaltungssendungen ein Bild gezeichnet, dass der Pflege vermutlich noch nie entsprochen hat, aber trotzdem bis heute unrealistische Erwartungen weckt. (Aus der Ferne grüßt mit strahlendem Lächeln Schwester Stefanie.) Das Buch "Auf Klingel" von Michael Kaiser, Margarethe Mehring-Fuchs und Kathrin Feldhaus leistet hier einen wertvollen Beitrag, indem es die verschiedensten Pflegekräfte porträtiert, ohne dabei mit Banalität zu langweilen. Es gelingt den Autoren ausgezeichnet, die Heterogenität im Pflegesektor abzubilden. So wird aus der großen Masse uniformierter Pflegender zunehmend ein Puzzle aus verschiedensten Individuen, die selbst neben dem Pflegeberuf auch ein eigenes Leben, eigene Hintergründe mitbringen. Gerade letzteres wird von Patienten und Klienten nicht selten vergessen oder bewusst ausgeblendet. "Werden ja dafür bezahlt". Die Perspektiven, die dieses Buch aufzeigt, sind für diese Gruppe Pflegebedürftiger und ihrer Angehörigen vielleicht ein wichtiger Anstoß dafür, sich intensiver mit den Menschen zu beschäftigen, die sich mit ihnen beschäftigen sollen. Auf den 160 Seiten kann der Leser Einblicke in die verschiedensten Realitäten gewinnen. Der generalistische Ansatz in der Pflege findet sich im Buch wieder: So wird Pflege im Setting Pflegeheim, Krankenhaus und ambulante Pflege betrachtet. Menschen unterschiedlichsten Alters und verschiedenster Herkunft erhalten die Gelegenheit, ihre Eindrücke zu beschreiben. Diese sind vielfach sehr inspirierend, für Menschen ohne eigene Erfahrungen in der professionellen Pflege aber in jedem Fall bereichernd. Für Menschen, die einen Einblick hinter die Kulissen der professionellen Pflege suchen ist das Buch "Auf Klingel" ein idealer Einstieg. 160 Seiten 2020 Patmos Verlag 978-3-8436-1177-0 (ISBN)
3. Mai 2020
für einige scheinbar doch sehr überraschend. "Systemrelevant" ist die professionelle Pflege wohl schon immer gewesen. In den Gesundheitsreformen der letzten Jahre wurde sie trotzdem zum reinen Kostenfaktor degradiert. Für alle Bereiche gilt die gleiche Formel: Je weniger Pflegekräfte, desto höher der Gewinn. Gut gemeinte Versuche, für mehr Pflegekräfte zu sorgen beschränken sich zumeist darauf, die durch Anstellungen entstehenden Mehrkosten auszugleichen. Dass professionelle Pflege an sich einen Mehrwert erbringt, der eine bessere Vergütung rechtfertigen würde wird in diesen Diskussionen ausgeblendet. Auch Studienergebnisse (vgl. Aiken 2014), dass eine bessere Qualifikation der professionell Pflegenden zu besseren Ergebnissen für die Patienten führt bleiben damit unberücksichtigt. Woher stammt diese logische Diskrepanz, bei der medizinische Prozeduren für Mehreinnahmen sorgen, aber pflegerische Prozeduren ausschließlich zu Mehrkosten führen? Der Applaus, das öffentliche Lob und die ausgesprochene Anerkennung- sie kompensieren dieses Kernproblem nicht. Das beschriebene Logikproblem äußerte sich nämlich schon vor Corona in einer sehr auffälligen Dissonanz. Denn während Pflegekräfte in Befragungen regelmäßig höchstes Ansehen für ihren Beruf erhalten, ist die Bezahlung selbiger nichts, für das sich eine breite Gesellschaftsschicht einsetzt. Die Pflegebonus-Farce In dieser Hinsicht ist der beschlossene "Pflegebonus" eine Entlarvung: Den Ministern der GMK ist bewusst, dass die Entlohnung nicht in einem angemessenen Verhältnis zu den Leistungen in der Pflege steht. Wenn es sich um eine Belohnung im Einsatz gegen Corona handeln würde, wäre diese nämlich auch für die Mediziner diskutiert worden. Dass diesen Bonus nun plötzlich niemand bezahlen möchte rundet das Bild ab. Gesundheitsminister Spahn möchte sich profilieren, für die Kosten möchte er mit seinem Ministerium aber nicht auskommen. Stattdessen sollen nun die Pflegekassen zahlen. Und die Pflegenden in den Krankenhäusern gehen leer aus. Weil aber die Mehrausgaben der Pflegeversicherung nur durch Beitragserhöhungen kompensiert werden können, zahlen die Pflegenden in Zukunft ihren Bonus von selbst zurück - das soll eine Anerkennung sein? Was wir lernen müssen: Für die Pflege muss die Entlohnung völlig neu gedacht werden. Es muss sich lohnen, gut qualifiziertes Personal einzustellen, aus- und weiterzubilden. Dies wiederum nicht auf Kosten der Pflegebedürftigen, welche die enorm gestiegenen Eigenanteile schon jetzt vielfach nicht selbst zahlen können. Höhere Qualität muss auch zu einer besseren Vergütung führen, sodass alle Beteiligten von besserer Arbeit profitieren und endlich der Anreiz genommen wird, mit Personalmangel seine Bilanzen "aufzuhübschen". Das kann aber nicht allein die Aufgabe der Pflegenden selbst sein. Es braucht eine breite gesellschaftliche Basis die anerkennt, dass professionelle Pflege ein komplexer Beruf ist, in dem wir schlaue Köpfe brauchen und die auch entsprechend bezahlt werden müssen.
von account 14. April 2020
Studien haben gezeigt, dass bislang noch immer knapp ein Drittel aller Pflegeheime kein für die Bewohner zugängliches W-LAN Netz hat. Für Leser dieses Blogs wird sich die Frage in Zukunft wohl kaum stellen - es wäre schlicht unvorstellbar, plötzlich ohne eine funktionierende Internetverbindung zu leben. Die aktiven Internetnutzer der aktuellen Pflegeheimbewohner haben den "Ofllinern" aber nicht erst seit Corona einen entscheidenden Vorteil. Dieser wird Letzteren aber nun umso schmerzlicher bewusst. Internet: Mobilität trotz körperlicher Gebrechen Denn diese Leiden in besonderem Maße unter den Besuchsverboten in Pflegeheimen. Zwar fehlt allen die körperliche Nähe mit allen Sinnesempfindungen, die damit zusammenhängen. Doch die "Onliner" stehen mit ihren Lieben weiter in Kontakt, können erzählen, zuhören und sehen was passiert. Sie haben Zugriff auf einen Perspektivwechsel, indem sie statt deprimierender Nachrichten im Fernsehen ihre Urlaubsfotos sehen, sich in Google-Streetview durch die Heimatstadt bewegen oder sich sonstwie ablenken können. Nicht alle können alles Für die Pflegenden, die die Betreuung nun ohne die Unterstützung der Angehörigen bewerkstelligen wäre eine vermehrte Nutzung der Möglichkeiten des Internets eine spürbare Entlastung. Denn die Nähe zu Angehörigen und verbliebenen Freunden können sie einfach nicht ersetzen. Doch während nur einige wenige die technischen Möglichkeiten ihrer Geräte völlig selbstständig nutzen können, können die Pflegenden bei vorhandener Infrastruktur diejenigen unterstützen, die dies eben nicht mehr selbst können. Da dies auch gleichzeitig diejenigen sind, die auch ohne Corona kaum aus den Einrichtungen heraus können und nur sehr begrenzte Teilhabemöglichkeiten haben wird klar: So wie sich einige erst neuerdings fühlen, fühlen andere sich schon jahrelang: isoliert und abgekapselt ohne Verbindung mit der Außenwelt. Lehre aus Corona Internetzugriff muss eine Selbstverständlichkeit sein. Allem Bewohnern einer Pflegeeinrichtung muss die Möglichkeit gegeben werden, mit der Außenwelt in Verbindung zu bleiben. Und wo früher in vielen Krankenhäusern die "Grünen Damen" ihre Besuchsdienste geleistet haben, könnte man doch durch "Digitale Besuche" viel mehr Menschen mit viel weniger Aufwand erreichen und trotzdem sehr viel bewegen. Let´s do it!
13. April 2020
Die Corona-Krise erschüttert alle Bereiche unserer Gesellschaft und betrifft so nun jeden von uns ganz persönlich. Und obwohl ein Ende der Epidemie sich möglicherweise gerade erst am Horizont abzeichnet wollen wir gemeinsam überlegen, was nach der Corona-Krise anders laufen muss als zuvor. Wir versuchen den politischen Worthülsen ("Nach der Corona-Krise ist nichts mehr, wie es vorher gewesen ist") wie sie so oder so ähnlich von Armin Laschet, Jens Spahn und anderen geäußert wurden, mit Leben zu füllen. Statt jetzt nur zu meckern, zu kritisieren und zu polemisieren wollen wir kreativ und konstruktiv sein und so dafür sorgen, dass die deutsche Pflegelandschaft nach Corona eine bessere ist als zuvor. Wir beginnen morgen mit dem Thema Digitalisierung und fokussieren dabei die stationäre Altenpflege und freuen uns auf eine anregende Diskussion in den Sozialen Medien. Bleiben Sie gesund! Teil 1: Kein Leben ohne W-LAN Teil 2: Professionelle Pflege kostet Geld
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